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Bettina Woolley bei ihrem Abschluss an der Universität.
Bettina Woolley ist Baurätin im Straßenbau und erzählt im Interview, wie sie über Brandenburg, Abu Dhabi und Südafrika zu diesem Beruf gekommen ist. Die Tochter einer Lehrerin und eines Lehrers mochte die Fächer Mathematik, Physik und Informatik schon als Kind. Doch eine entscheidende Eigenschaft, die sie für ihr Berufsleben geprägt hat, lernte sie erst während ihres Studiums in Südafrika kennen: Disziplin. Denn das Studium brachte einige Hürden mit sich und auch ihr Berufseinstieg in Südafrika war durch Rollenklischees erschwert. Heute arbeitet Bettina im Regierungspräsidium in Freiburg und sieht eine positive Entwicklung beim Thema Diversität.

Mathematik, Physik und Informatik – diese drei Fächer hatten es Bettina Woolley schon als Kind angetan. Trotzdem liebäugelte sie zunächst mit zwei Berufswegen, die nichts mit diesen Fächern zu tun haben: „Ursprünglich wollte ich Dolmetscherin oder Juristin werden“, erinnert sich die heute 34-Jährige. Und was wurde daraus? „Ich bin Bauingenieurin und Baurätin im Straßenbau“, sagt die Projektleiterin. Das Leben und seine nicht immer einfachen Wege haben sie in die richtige Richtung gelenkt.

Während ihrer Schulzeit mochte Bettina Woolley Mathematik, Physik, und später auch Informatik. Begleitet wurde dieses Interesse durch ihren Vater, er unterrichtete diese Fächer. Gemeinsam zog die Familie schließlich für ein Jahr nach Abu Dhabi in die Vereinigten Arabischen Emirate. „Meine Eltern sind als Auslandsdienstkräfte an die Deutsche Auslandschule gegangen“, erklärt Bettina Woolley. Im Jahr 1997 kehrten sie nach Brandenburg zurück – doch schon acht Jahre später ging es zu einem weiteren Auslandseinsatz der Eltern nach Südafrika.

Der Moment, der alles verändert

Bettina besuchte die Deutsche Schule in Pretoria und erlebte dort diesen einen Moment, der prägend für ihr weiteres Leben werden sollte. Als sie in der 13. Klasse war, bot ein Unternehmen – offenbar auf der Suche nach Nachwuchs – Schüler:innen Stipendien für ein Studium des Bauingenieurwesens an. Bettina bewarb sich auf das Stipendium, obwohl sie bis zu diesem Zeitpunkt den Blick in Richtung Dolmetschen oder Jura-Studium gerichtet hatte. Das Stipendium bekam sie nicht, weil es südafrikanischen Staatsbürger:innen vorbehalten war. Mit dem Studium des Bauingenieurwesens begann sie trotzdem. „Es fühlte sich einfach richtig an, das mal auszuprobieren. Und das war es dann auch“, erklärt sie im Rückblick. „Ich habe nach dieser Entscheidung nie wieder daran gezweifelt, dass dies der richtige Studiengang und der richtige Beruf für mich sind.“

Nach ihrem Abitur begann Bettina Woolley ihr Studium des Bauingenieurwesens – in Südafrika heißt es „BEng Civil Engineering“, wobei „B“ für Bachelor steht – an der Universität von Pretoria. Die Familie blieb noch drei Jahre in Südafrika, dann kehrte sie nach Deutschland zurück – ohne Bettina, die weiter in dem südafrikanischen Land lebte, studierte und im letzten Studienjahr halbtags in einem Ingenieurbüro arbeitete.

Ihr Bachelorstudium schloss sie nach einigen Ehrenrunden ab. „In der Schule musste ich für mein Abitur nicht viel lernen“, erklärt sie. Mit dieser Einstellung kam sie im Studium nicht weiter. „Ich musste Disziplin lernen, und dadurch habe ich mehr Zeit für meinen Bachelorabschluss gebraucht.“ Allerdings sieht sie das rückblickend äußerst gelassen: „Ich bezweifle, dass ich heute beruflich weiter wäre, wenn ich für meinen Bachelor die Regelstudienzeit von vier Jahren eingehalten hätte.“

Vollzeitjob, Masterstudium, Raketenauto

Überdies habe ihr die neu angeeignete Disziplin schließlich im Masterstudium sehr geholfen. Nach ihrem Bachelorabschluss stieg Bettina nämlich in Vollzeit in dem Ingenieurbüro ein, in dem sie schon während des Studiums halbtags beschäftigt gewesen war, und arbeitete knapp drei Jahre als Projektleiterin in der Straßenplanung und -erhaltung sowie als Bauleiterin. Berufsbegleitend machte sie ihren Master – in Südafrika MEng Civil Engineering genannt – im Straßenbau an der Universität von Stellenbosch. Es war eine Doppelbelastung, für die sie viel Disziplin brauchte – mit Erfolg: Sie schloss den Master in der Regelstudienzeit ab.

Spaß und Begeisterung gab es allerdings auch: „Für meine Masterarbeit arbeitete ich mit dem Bloodhound LSR zusammen. Das ist das britische Raketenauto, das in Südafrika mit Überschallgeschwindigkeit den Weltrekord brechen soll.“ Apropos Raketenauto: Bettina ist selbst eine begeisterte Autofahrerin und genoss es, in der „Rainbow Nation“ im Süden Afrikas mit ihrem Auto unterwegs zu sein – nicht die schlechteste Voraussetzung für einen Job im Straßenbau …

Bettina Woolley bei einer Standortbegehung im Winter

Bettina Woolley bei einer Standordbegehung im Winter in Südafrika

Der Klassiker: Management mit weißen Männern über 50

Tolle Projekte, spannende Aufgaben, Erkenntnisse fürs Leben, ein wunderschönes Land – das klingt alles nach der großen Erfüllung. Doch Bettina Woolley sah auch das, was in Südafrika nicht perfekt war, zum Beispiel Rassismus und Sexismus. In dem Planungsbüro, in dem sie arbeitete, bestand das Management zu 95 Prozent aus weißen Männern über 50 Jahre – ein Zustand, den man wohl nicht nur von südafrikanischen Unternehmen kennt.

Als Frau habe sie ständig beweisen müssen, dass sie genauso gut wie die männlichen Kollegen ist. „Meine Bezahlung lag auch deutlich unter der meiner männlichen Kollegen mit gleicher Erfahrung und Ausbildung“, stellt sie fest. Demgegenüber stand die Tatsache, dass sie die Arbeit selbst und das Miteinander mit Kolleg:innen sehr mochte.

Nach 12 Jahren zog es Bettina zurück nach Deutschland, genauer nach Freiburg. Dort stieg sie in ein kleines Ingenieurbüro ein und plante hauptsächlich für das Regierungspräsidium. Dadurch öffnete sich für sie ein neues Türchen: Sie wechselte ins Regierungspräsidium und absolvierte ein zweijähriges Referendariat im Straßenbau als Regierungsbaumeisterin. Seit März 2022 ist sie Abteilungskoordinatorin der Abteilung 4 – Mobilität, Verkehr, Straßen. Als solche wirkt sie als Bindeglied zwischen der Leitung des Regierungspräsidiums und ihrer Abteilung.

Projektleiterin auf dem Rennrad

Anders als früher in Südafrika hat Bettina Woolley heute kein Auto mehr. Seit sechs Jahren ist sie ohne eigenes Fahrzeug unterwegs, sie fährt gerne Rennrad und Mountainbike. Als Straßenbau-Expertin ist das für sie kein Problem. Im Gegenteil. „Es ist sehr hilfreich, dass ich meine Arbeit auch aus dieser Perspektive sehen kann. So kann ich allen Verkehrsteilnehmern gerecht werden.“

Zudem organisiert sie die Kommunikation zwischen ihrer Abteilung und anderen Abteilungen des Hauses, ebenso mit den Landesministerien, den Mitgliedern des Landtages sowie des Bundestages. „Wenn Planungs- und Projektstände nach außen kommuniziert werden, prüfe ich, ob die Ausführungen der Projektleiter verständlich und zielgruppengerecht sind“, ergänzt Bettina Woolley, die an ihrem Arbeitsplatz vor allem vier Dinge braucht: eine Suchmaschine, mindestens eine Pflanze, guten Kaffee und eine Tastatur.

Bauingenieur:innen sorgen für Infrastruktur, die Bürger:innen dient

Bettina Woolley plant in diesem Job zwar nicht mehr, dennoch, so sagt sie, helfe ihr ihre Kompetenz, Projekte und Kommunikation bewerten zu können. „Ich mag die Herausforderung, die Ziele, die wir haben, richtig zu kommunizieren. Als Bauingenieure stellen wir Infrastruktur her, die den Bürger:innen dient. „Ich mag die Arbeit und kann an der Zukunft der Verwaltung mitwirken“, begründet sie den Verbleib bei ihrem jetzigen Arbeitgeber.

Im öffentlichen Dienst habe sie bisher keine Nachteile aufgrund ihres Geschlechts erfahren. Anders sah das in der privaten Wirtschaft aus, so berichtet Bettina. In der kurzen Zeit, in der sie in der Privatwirtschaft tätig war, wurde sie als Frau anders behandelt. Doch sie beobachtet, dass sich etwas tut – langsam, aber stetig. Im öffentlichen Dienst stehen Vielfalt und Chancengerechtigkeit bereits mehr im Fokus. „Die Generation der Führungskräfte, die derzeit in meiner Abteilung heranwächst, ist deutlich diverser als ich zunächst aufgrund vorheriger Erfahrungen erwartet hatte. Das freut mich sehr.“

Frauen können alles – Männer auch

Dennoch: Es ist noch viel Luft nach oben. Das hat auch Bettina Woolley festgestellt: „In Deutschland bekomme ich auch noch zu hören: ‚Ach wie toll, SIE sind also Bauleiterin/Ingenieurin‘, wenn ich auf einer Baustelle bin.“ Frauen müssten in den MINT-Berufen mehr präsentiert werden, die Identifikation mit Vorbildern sei entscheidend. Gleichzeitig gilt es, aktiv daran zu arbeiten, das überholte Spartendenken aufzulösen – Männer sind perfekt für technische Berufe, Frauen sind für die Fürsorge da, und wie gemacht für soziale Berufe. Das beschränke nicht nur Frauen, sondern ebenso Männer, findet Bettina Woolley. „Dieses eingrenzende Denken schadet auch jungen Männern, die in pflegende Berufe einsteigen möchten.“

Sie selbst ist eines dieser Vorbilder für Mädchen und junge Frauen, die sie für so dringend nötig hält. Welchen Rat hat sie? „Glaube niemandem, dass du es nicht kannst, nur, weil du eine Frau bist.“ Zweitens: „‚Du bist aber klug für eine Frau!‘ ist kein Kompliment.“ Drittens: „Suche dir Mentor:innen, die an dich glauben, und die dir helfen, deine Schwächen zu erkennen und zu überwinden. Konstruktive Kritik ist etwas Wunderbares.“

Du interessierst dich für ein Studium im Bereich Bauingenieurwesen?

Infos zum Berufseinstieg von Bettina gibt’s hier.

Die wichtigsten Fakten:

  • Das Bachelorstudium dauert 7 Semester
  • Das Studium besteht aus drei Teilen: einem Grundstudium (2 Semester), einem Hauptstudium (4 Semester) und einem praktischem Studienprojekt (1 Semester)
  • Bauingenieurinnen und Bauingenieure sind in unterschiedlichen Bereichen tätig: an Gebäuden, auf der Straße, den Schienen, am Wasser, im Büro, auf der Baustelle, etc.
  • Im Hauptstudium kann man zwischen den Schwerpunkten Konstruktiver Ingenieurbau, Wasser und Verkehr und Baumanagement wählen

Weitere Informationen findest du hier.

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