Abschied von einer wichtigen Innovatorin
In diesem Jahr feiert die Landesinitiative „Frauen in MINT-Berufen“ ihr 15-jähriges Jubiläum. Von Stunde 0 an war Dr. Birgit Buschmann, Leiterin des Referats „Wirtschaft und Gleichstellung“ mit dabei. Wenn die promovierte Wirtschaftshistorikerin zum Jahresende in den Ruhestand geht, verliert das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus eine visionäre Treiberin des Fortschritts.
Manchmal fügen sich die Dinge wie von selbst. So gab es 2010 einen wichtigen Kabinettsbeschluss, der die Karriere von Dr. Birgit Buschmann maßgeblich prägen sollte: die Landesinitiative „Frauen in MINT Berufen“ wurde gestartet. Mit dem Aufbau befasste sich direkt eine Frau, die gerade erst die Außenwirtschaftsabteilung des Wirtschaftsministeriums verlassen hatte, um sich im Referat für „Wirtschaft und Gleichstellung“ voll und ganz ihrer Herzensangelegenheit, der Förderung von Frauen in diesem zukunftsträchtigen Feld, zu widmen.
Persönliche Erfahrungen als Ausgangspunkt für eine wegweisende Initiative
Auf ihrem Weg bis zu diesem wichtigen Wendepunkt musste die Mutter einer Tochter den geringen Frauenanteil in MINT-Berufsfeldern hautnah selbst miterleben – im Rahmen von zahlreichen Ferienjobs während ihres Studiums der Mathematik, Physik und Geschichte für das Lehramt an Gymnasien sowie während ihrer Promotion in Wirtschaftsgeschichte bei der Firma Daimler. Deshalb ordnet sie die Gründung der Initiative, die sie nun 15 Jahre lang geleitet hat, rückblickend als sehr wegweisende und vorausschauende Entscheidung des Innovationsrates Baden-Württemberg ein.

„Die Erkenntnis, dass der Talentpool nicht hinreichend ausgeschöpft wird und vor allem weibliche Talente viel besser und früher gefördert werden sollten, führte zur Bündelung vieler engagierter Akteure, die davor in Einzelinitiativen tätig waren. Mit dem Bündnis „Frauen in MINT Berufen“ konnte ihnen endlich eine gemeinsame und nachhaltige Plattform gegeben werden,“
resümiert Dr. Birgit Buschmann, die von Anfang an erkannt hat, dass eine wirkungsvolle Umsetzung nur gemeinsam als Bündnis funktioniert.
Eine lebensphasenorientierte Strategie entlang der MINT-Bildungskette
Neben dem Schaffen eines gemeinsamen Paktes , war ihr auch die lebensphasenorientierte Gesamtstrategie, der sich das Bündnis von Anfang an verschrieben hat, von Beginn wichtig. Es braucht die durchgängige und kontinuierliche Förderung entlang der MINT-Bildungskette, ist sie überzeugt. Dass diese aufgehe, zeige sich anhand von zahlreichen erfolgreichen Projekten, wie beispielsweise der „Forscherfabrik Schorndorf“, die forschendes Lernen im frühkindlichen Alter ermöglicht. Auch die Beliebtheit der „Girls Digital Camps“, die Basis- und Vertiefungskurse sowie Feriencamps für Schülerinnen von Klasse 5-8 umfassen, spreche für sich.
„So ist es uns im Rahmen dieser Camps immer wieder gelungen, die Teilnehmerinnen bei ihren individuellen Interessensgebieten, wie Mode oder Kunst, abzuholen und diese mit digitalen Möglichkeiten zu verbinden,“
schwärmt die Referatsleiterin. In diesem Kontext hebt sie auch die Chancen von monoedukativen Angeboten in bestimmten Lebensphasen hervor, die ihr persönlich sehr am Herzen liegt, da sie jungen Frauen ermögliche, sich selbstbewusst an technische Felder zu wagen und ihre Talente auszuprobieren.
15 Jahre Initiative – nachhaltige Wirkung durch Vernetzung und Engagement
Ein Rückblick auf die letzten 15 Jahren zeigt, dass die Initiative und ihre Akteure dahinter nachhaltige Erfolgsgeschichten schreiben. Faktoren wie ein wachsendes Bewusstsein für die Thematik selbst, die zunehmende Vernetzung im Schulterschluss aller Akteure, aber auch sich verändernde Bilder in den Medien sowie bei Unternehmen lassen sich damit in konzertierter Aktion auch auf das unermüdliche und kreative Wirken einer Frau zurückführen, die die Fäden sicher in der Hand hält, sich beständig für das Thema eingesetzt und bei der Gewinnung von neuen Bündnispartnern auch neue Wege nie gescheut hat.
So wurde das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus vor zwei Jahren als erstes Ministerium im Land Partnerorganisation der renommierten Bundesinitiative „Klischeefrei“, und auch zum Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, das zahlreiche MINT-Berufe bündelt, baute Frau Dr. Buschmann über persönliche Kontakte verbindende Brücken.
Blick nach vorn: Fachkräftebedarf, KI und neue Chancen für Frauen
Bis zuletzt galt sie als Person als unermüdlicher Motor, der die Initiative beharrlich vorangetrieben hat. Es liegt auf der Hand, dass eine Frau wie sie trotz ihres Ausscheidens auch die Zukunft ihrer Herzenssache fest im Blick behält und ihre persönliche Vision teiltSie ist überzeugt, dass aufgrund der technologischen und demografischen Entwicklungen und der wachsenden Bedeutung von KI für das starke Industrieland Baden-Württemberg eine wachsende Beschäftigungslücke im Hinblick auf Fachkräfte entsteht, die neue Herausforderungen, Chancen und Rollen mit sich bringt. Diese würden nicht nur spezifische Weiterbildungen erfordern, sondern auch Quereinstiege ermöglichen – auch oder insbesondere für Frauen.
Was es braucht, um Mädchen nachhaltig für MINT zu begeistern
Doch was braucht es laut Frau Dr. Buschmann, um deren Begeisterung für MINT zu gewinnen – am besten von klein auf? „In erster Linie sehe ich hier strukturelle Veränderungen, die den Unterricht in Schulen sowie die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften betreffen, um die MINT-Kompetenzen insgesamt deutlich zu verbessern und Mädchen viel stärker nachhaltig für MINT zu begeistern. Hier sind Entwicklungen im Gange, wie eine strukturierte, praxisnahe, klischeefreie Berufsorientierung und die Stärkung einer gendersensiblen MINT-Bildung, die meiner Ansicht nach aber viel schneller umgesetzt werden müssten.

Ebenso wünsche ich mir eine nachhaltige und stabile Finanzierung und flächendeckende Umsetzungwirkungsvoller außerschulischer Programme wie Girls´Day Akademien und Girls´Digital Camps,. Das Wichtigste aber zum Schluss: Es braucht Role Models und Eltern, ErzieherInnen und Lehrpersonal, die Mädchen ermutigen, sich ohne Vorurteile auszuprobieren und ihre Talente zu entwickeln.“
Von Herzen bedanken wir uns bei Dr. Birgit Buschmann dafür, dass sie genau das war: Vorbild, Vorreiterin und ein verbindendes Glied. Wir bedanken uns für ihr bedeutsames Engagement und wünschen ihr alles Gute für den wohlverdienten Ruhestand. Ihr persönlicher Einsatz wird fehlen – uns als Initiative genauso wie der Sache.