Von der Idee zum Netzwerk: 15 Jahre Landesbündnis „Frauen in MINT-Berufen“

Am 4. Juli 2011 wurde bei der TRUMPF GmbH & Co. KG in Ditzingen das Landesbündnis „Frauen in MINT-Berufen“ gegründet. Was damals mit 28 Bündnispartnerinnen und Bündnispartnern, darunter vier Ministerien, begann, hat sich in den vergangenen 15 Jahren zu einem der zentralen Netzwerke zur Förderung von Frauen in MINT-Berufen in Baden-Württemberg entwickelt. Heute vereint das Bündnis 78 Partnerorganisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Arbeitsmarkt, Verbänden und Verwaltung.

Ein Gruppenbild von Frauen und Männern auf einer Treppe

Gemeinsam wird das Ziel verfolgt, Mädchen und Frauen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern, sie auf ihrem Bildungs- und Berufsweg zu begleiten und ihre Chancen in MINT-Berufen nachhaltig zu stärken. Das 15-jährige Jubiläum bietet Anlass, die Entstehungsgeschichte nachzuzeichnen, Entwicklungen einzuordnen und den Blick auf die künftigen Herausforderungen zu richten.

Die Ausgangslage: Fachkräftesicherung und ungenutzte Potenziale

Die Wurzeln der Landesinitiative reichen in die Zeit der Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 2007 bis 2009 zurück. Bereits 2009 sprach der Innovationsrat Baden-Württemberg die Empfehlung aus, ein langfristig angelegtes Programm zur Förderung von Frauen in MINT-Berufen aufzulegen. Hintergrund war der zunehmende Fachkräftemangel, der insbesondere die technischen und naturwissenschaftlichen Bereiche betraf. Gleichzeitig zeichnete sich deutlich ab, dass sich Frauen nach wie vor seltener für MINT-Ausbildungsberufe oder -Studiengänge entscheiden. Damit blieb ein erhebliches Potenzial für die Fachkräftesicherung ungenutzt. In Anbetracht dessen wurde die Förderung von Frauen in MINT-Berufen als strategische Zukunftsaufgabe definiert – mit dem Ziel, die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Baden-Württemberg langfristig zu sichern.

Die Landesinitiative als Ausgangspunkt

Im März 2010 beschloss die damalige Landesregierung die Landesinitiative „Frauen in MINT-Berufen in Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung“ zu starten. Die Initiative wurde zunächst für zwei Jahre angelegt und verfolgte von Beginn an einen ganzheitlichen Ansatz entlang der gesamten Bildungs- und Erwerbsbiografie.

Im Mittelpunkt standen fünf zentrale Zielsetzungen:

  • Gewinnung von Frauen für MINT-Berufe in Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung
  • Steigerung der Attraktivität von technischen und naturwissenschaftlichen Tätigkeiten
  • Optimierung von Karriere- und Wiedereinstiegsmöglichkeiten
  • Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • Verringerung von Ausstiegs- und Abbruchquoten

Schnell wurde deutlich, dass nachhaltige Veränderungen nur durch einen strukturellen und kulturellen Wandel erreicht werden können – sowohl in Unternehmen als auch in Bildungseinrichtungen und der Gesellschaft insgesamt.

Vier Frauen und drei Männer an einem Konferenz-Tisch vor einer Leinwand

Foto: Start des Pilotprojekts „WING“ – Qualifizierung von Ingenieurinnen für einen erfolgreichen beruflichen Wiedereinstieg am 12. Januar 2012 in Stuttgart

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Das Landesbündnis zeigt seit nunmehr 15 Jahren, dass tragfähige Lösungen dort entstehen, wo Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Dialog stehen und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Das Handwerk hat diesen Ansatz von Anfang an unterstützt. Denn die großen Herausforderungen unserer Zeit – von der Fachkräftesicherung über die Ausbildung bis hin zur wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit – lassen sich nur im Schulterschluss bewältigen.

Die Landesinitiative hat sich in dieser Zeit als verlässliche Plattform etabliert. Sie hat Austausch ermöglicht, Vertrauen gestärkt und wichtige Impulse für gemeinsame Projekte gesetzt. Gerade für die Handwerksbetriebe in Baden-Württemberg sind solche Partnerschaften von großer Bedeutung: Sie brauchen praxisnahe Lösungen, verlässliche Rahmenbedingungen und starke Netzwerke. Allen Bündnispartnerinnen und Bündnispartnern danke ich herzlich für ihr langjähriges Engagement und die konstruktive Zusammenarbeit“,

so der Präsident von Handwerk BW, Rainer Reichhold.

Vom Einzelengagement zur gemeinsamen Plattform

Eine Bestandsaufnahme Ende 2010 zeigte: In Baden-Württemberg existierten damals bereits rund 80 Akteurinnen und Akteure, die sich für die Förderung von Frauen im MINT-Bereich engagierten. Zahlreiche Projekte und Initiativen leisteten wertvolle Beiträge – jedoch häufig ohne ausreichende Abstimmung untereinander oder Vernetzung. Aus dieser Beobachtung heraus entstand die Idee einer landesübergreifenden gemeinsamen Plattform für Austausch, Koordination und strategische Weiterentwicklung. So wurde am 4. Juli 2011 das Landesbündnis „Frauen in MINT-Berufen“ gegründet – eine Gemeinschaftsleistung des damaligen Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft, des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport sowie des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren sowie von weiteren 24 maßgeblichen Akteurinnen und Akteuren. Mit der Unterzeichnung des Bündnispapiers übernahmen alle Beteiligten gemeinsam Verantwortung dafür, die Förderung von Frauen in MINT-Berufen aktiv mitzugestalten und dauerhaft zu stärken.

Gemeinsame Ziele mit lebensphasenorientiertem Ansatz

Seit dem Tag seiner Gründung verfolgt das Bündnis einen lebensphasenorientierten Ansatz, um Mädchen und Frauen entlang ihrer gesamten Bildungs- und Berufsbiografie zu unterstützen – von der frühen Berufsorientierung über Ausbildung und Studium bis hin zur Karriereentwicklung und zum Wiedereinstieg. Nur so können die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen in MINT-Berufen dauerhaft gewährleistet werden und entsprechende, nachhaltig gestaltete Maßnahmen können langfristig verankert werden. Mit dieser Vorgehensweise wurde ein ganzheitlicher, strategischer Rahmen geschaffen, der bundesweit als Vorreiter gilt.

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„15 Jahre ‚Frauen in MINT‘ zeigen: Wenn wir Frauen für MINT-Berufe begeistern, eröffnen wir Chancen – für sie und für unsere wirtschaftliche Zukunft“,

sagt Edith Strassacker, IHK-Vizepräsidentin und MINT-Botschafterin des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags.

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„Gerade in einer Zeit, in der Fachkräfte händeringend gesucht werden, ist es entscheidend, das volle Potenzial unserer Gesellschaft zu nutzen. Ohne eine stärkere Beteiligung von Frauen und Mädchen in den MINT-Berufen lassen sich entstehende Lücken in diesem Bereich langfristig nicht schließen. Aktuell ist in den gewerblich-technischen Ausbildungsberufen leider kein Trend zu mehr weiblichen Auszubildenden erkennbar. Deswegen ist es umso wichtiger, gerade diese Sparte jungen Frauen durch die wertvolle Arbeit der Initiative ‚Frauen in MINT‘ näherzubringen.“

Wachstum und Entwicklung des Netzwerks

Ein Gruppenbild von zahlreichen Erwachsenen auf einer Treppe

In den vergangenen 15 Jahren ist das Landesbündnis kontinuierlich gewachsen. Aus 28 Gründungsorganisationen wurden 78 Bündnispartnerinnen und Bündnispartner. Die Mitglieder repräsentieren ein breites Spektrum: Stiftungen Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Kammern, Verbände, Gewerkschaften, Arbeitsmarktakteure sowie Ministerien und weitere Institutionen. Darüber hinaus wirken 27 Unternehmen im Land als Unterstützer des Landesbündnisses bei der Erreichung der genannten Ziele mit. Diese Vielfalt ermöglicht es, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und gemeinsam an Lösungen für die komplexen Herausforderungen im MINT-Bereich zu arbeiten.

Foto: Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 13. Bilanzgesprächs am 14. November 2024 in Stuttgart

Austausch, Vernetzung und kontinuierliche Weiterentwicklung

Ein zentrales Element des Landesbündnisses ist der kontinuierliche Austausch der Mitglieder untereinander. Bereits seit 2012 werden regelmäßige Bilanz- und Spitzengespräche durchgeführt, in denen Entwicklungen reflektiert, Maßnahmen bewertet und neue Schwerpunkte gesetzt werden. Ergänzt wird dies durch Workshops, Gespräche von Expertinnen und Experten sowie thematische Formate, etwa zu Mentoring, Elternarbeit in der Berufsorientierung, Wiedereinstieg oder der Evaluation von MINT-Maßnahmen.
Im Jahr 2019 wurden zusätzlich Arbeitsgruppen eingerichtet, die sich intensiv mit zentralen Zukunftsthemen beschäftigten, dazu gehören MINT-Regionen und die duale Ausbildung in technischen Berufen.
Als weiterer wichtiger Entwicklungsschritt gilt die Durchführung des Design-Thinking-Prozess 2019/2020, aus dem unter anderem die MINT-Map sowie regionale Netzwerktreffen der Reihe „BW-MINT-vernetzt“ hervorgingen. Mit dem regionalen Netzwerktreffen bei e-mobil BW am 7. Juli 2026, das die erfolgreiche Vernetzungsarbeit des Bündnisses auch im Jubiläumsjahr fortsetzt, findet bereits das fünfte Treffen dieser Art statt.

Fazit: 15 Jahre gemeinsame Verantwortung

Das Landesbündnis „Frauen in MINT-Berufen“ steht heute für eine erfolgreiche, langfristig angelegte Zusammenarbeit in Baden-Württemberg. Es spiegelt wider, dass die Förderung von Frauen in MINT-Berufen nur im Zusammenspiel vieler Akteurinnen und Akteure nachhaltig gelingt.

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„Die Landesinitiative MINT hat in den letzten 15 Jahren viel erreicht und ist jetzt und in Zukunft wichtiger denn je. Der Frauenanteil bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im MINT-Bereich lag 2025 in Baden-Württemberg mit 18 Prozent so hoch wie im Bund. Insgesamt ist der Frauenanteil in den letzten 10 Jahren bundesweit um rund 1,7 Prozentpunkte gestiegen.”

So Martina Musati, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit.

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Nach dem 14. Nationalen MINT-Gipfel im Juni 2026 werden wir, wenn die Entwicklung in diesem Tempo voranschreitet, Geschlechterparität (einen Frauenanteil von 50 Prozent) erst in 160 Jahren erreichen. Für Baden-Württemberg als eine der führenden Hightech- und Innovationsregionen Europas und weltweit sowie aufgrund der wachsenden Bedeutung von Digitalisierung und KI für die Wirtschaft müssen wir die Potenziale von Mädchen und Frauen für MINT künftig noch stärker erschließen. Neben den guten, bewährten Maßnahmen sind auch neue Ansätze gefragt.“

Die vergangenen 15 Jahre haben gezeigt, wie aus einer politischen Initiative ein starkes Netzwerk entstanden ist, das kontinuierlich wächst, sich weiterentwickelt und neue, wegweisende Impulse setzt. Auch künftig bleibt die Aufgabe aktuell: Mädchen und Frauen für MINT-Berufe zu gewinnen, sie zu fördern und ihnen langfristige Perspektiven in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen zu eröffnen – als wichtiger Beitrag zur Fachkräftesicherung und Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Baden-Württemberg.

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