Auf MINT programmiert

Mit „falscher“ Ausbildung in den „richtigen“ Beruf ging es für die gelernte Programmiererin Ann-Sophie Gäckle, die heute als Steuerungstechnikerin glücklich Karriere im einem Maschinenbauunternehmen macht. Die junge Schwarzwälderin, deren Interesse für den MINT-Bereich bereits in frühester Kindheit geweckt worden war, hat ihren festen Platz im Sondermaschinenbau gefunden – ohne den direkt auf der Hand liegenden Weg, aber mit einem festen Credo: Wenn man mit Spaß bei der Sache ist, kann man alles schaffen.

MINT-Berufe Frauen Portrait

Ann-Sophie Gäckle

Gelernte Programmiererin

Junge Frau am Laptop mit dem Schriftzug Programmiererin und Steuerungstechnikerin

Junge Programmierung – MINT als früher Wegbegleiter

Als Ann-Sophie Gäckle zum ersten Mal ihren Namen schreibt, tut sie das nicht auf Papier, sondern am PC. Als Enkelin eines Opas, der eine Firma im Schaltschrankbau betreibt und Tochter von Eltern, die beide als Elektriker tätig sind, ist es naheliegend, dass die heutige Programmiererin und Steuerungstechnikerin bereits als Kind viel MINT-Luft schnuppert und sich früh für dieses Feld zu begeistern beginnt. Später am Gymnasium, als vor der achten Klasse die Entscheidung zwischen Spanisch oder NWT (Naturwissenschaft und Technik) als Schwerpunkt ansteht, wird die Leidenschaft ihrer Kindheit neu entfacht. So fällt die Wahl auf NWT, worin die Gymnasiastin ihr Talent für das Programmieren entdecken darf. Spätestens in der Oberstufe, als sie zusätzlich das Fach Informatik wählt, ist die Ausbildung zur Fachinformatikerin nach dem Abitur und einem „Gap Year“ in einem Hotel in Portugal beschlossene Sache. Mit dem Schwerpunkt auf die Fachrichtung Anwendungsentwicklung absolviert die Abiturientin sie bei einer Kommunikationsagentur, wo sie zusätzlich Einblick in die Mediengestaltung erhält.

Viele Wege führen nach Rom – sogar die falschen

Auch wenn die Programmiererin mit der Wahl ihrer Branche glücklich ist, sähe ihre Laufbahn rückblickend betrachtet anders aus: „Höchstwahrscheinlich würde ich mich nicht mehr für eine Ausbildung dieser Art entscheiden und stattdessen eher studieren oder eine Ausbildung in einem anderen Bereich machen. Denn meine lief ganz anders ab, als ich es erwartet hatte. Ich dachte, eine Ausbildung sei grundsätzlich einfacher als ein Studium, was sich am Ende allerdings als falsch herausgestellt hat, da beispielsweise die Anforderungen für die Abschlussprüfungen mindestens so hoch sind wie die für den Bachelorabschluss. Zusammengefasst habe ich viel gelernt, was ich für meinen jetzigen Beruf nicht brauche.“ Letztendlich sei sie aber froh, dass sich ihr aktueller Arbeitgeber, KÖRA-PACKMAT Maschinenbau GmbH, trotz der Ausbildung im „falschen” Bereich für sie entschieden habe. „So bin ich glücklicherweise ohne Elektronik-Vorwissen in dem Beruf gelandet, den ich mir von Anfang an gewünscht hatte. Mir macht die SPS-Programmierung einfach viel mehr Spaß als das Programmieren von Websites, da die Ergebnisse der Arbeit direkt sichtbar werden.“

Junge Frau mit Brille und langen Haaren steht vor einem blühenden Baum.

Fließende Programmiersprache – hartnäckige Persönlichkeit

Nicht nur der Beruf selbst, sondern auch der Arbeitsalltag darin bereiten der Hobbygärtnerin viel Spaß. „Ich mag Abwechslung. Es läuft kein Tag wie der andere ab, und ich habe auch immer wieder mit anderen Kunden und wechselnden Produkten zu tun. Zudem schätze ich die ständige Herausforderung, mir etwas Neues für noch nie dagewesene Anwendungsfälle zu überlegen und freue mich, wenn meine Software Kolleginnen und Kollegen die Arbeit erleichtert.“ Ihre Hauptaufgabe, die Betreuung des Sondermaschinenbaus, umfasse vor allem die Pflege, Überarbeitung und Erweiterung der Standardversion des Programms, aber auch den Entwurf und die Umsetzung von Sonderprogrammen für Maschinen, die diese erfordern. Auch Serviceanfragen von Kundinnen und Kunden und gelegentliche Serviceeinsätze vor Ort zählen zu ihrem Tätigkeitsspektrum. Mit welchen Soft- und Hard-Skills man dafür am besten gewappnet sei? „Die Programmiersprachen, die man können muss, sind in jedem Betrieb unterschiedlich. Generell gilt natürlich, je mehr, desto besser. Außerdem sind grundlegende Kenntnisse in der Elektrik wichtig. Bei den Soft-Skills stehen Durchsetzungsvermögen, Teamfähigkeit und Kreativität an erster Stelle.“

Veraltete Rollenbilder und Stereotypen – „press delete“

Junge Frau bedient eine technische Maschine.

Ob auf ihrem Weg in den Traumberuf jemals ihr Geschlecht eine Rolle gespielt habe? „Es war irgendwie immer ein Thema. Schon als Kind hat meine Mutter, die auch eine Ausbildung im MINT-Bereich absolviert hatte, immer zu mir gesagt, dass man sich als Frau einfach doppelt anstrengen müsse. Ich dachte immer, dieser Gedanke sei nicht mehr zeitgemäß. Während meiner Ausbildung und auch danach habe ich allerdings gemerkt, dass es noch sehr viele Menschen gibt, die einem die Arbeit nicht zutrauen, nur weil man nicht dem Bild des typischen Arbeiters entspricht.“ Ihrer Ansicht nach sei es genau diese Grundhaltung, die sich in den Köpfen verändern müsse, damit sich mehr Frauen für MINT-Berufe entscheiden würden. „Veraltete Rollenbilder und stereotypische Annahmen helfen niemandem, da es am Ende die Freude am Beruf ist, die den Unterschied macht. Wenn man bei der Berufswahl das Geschlecht nicht zu so einem großen Thema machen würde, dann wäre die Geschlechterverteilung automatisch wesentlich ausgeglichener.“ Deshalb lautet ihr Tipp an junge Frauen und Mädchen, die auf diesem Feld erfolgreich sein wollen:

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„Glaubt an euch selbst, lasst euch nicht von anderen unterkriegen und steht für euch ein. Das lohnt sich immer, wenn es darum geht, was einen wirklich glücklich macht.“

Zwischen Handarbeit und Wandern – Freizeit abseits des PCs

Apropos glücklich: In ihrem Privatleben spiele die Informatik keine große Rolle, da es die Programmiererin nach Feierabend sehr genieße, nicht so viel an den PC gebunden zu sein. „Ich widme mich dann gerne simplen, aber körperlich anstrengenden Arbeiten, die meinem Kopf beim Abschalten helfen.“ Es sei vor allem auch die kreative Arbeit mit den eigenen Händen, die ihr privat Freude bereiten würde – wie zeichnen, häkeln oder stricken. Auch Brettspiele mit Freundinnen und Freunden stünden hoch im Kurs. Ein Hobby teile die begeisterte Handarbeiterin sogar mit ihrem Hund: „Da ich mitten im Schwarzwald wohne, bietet sich das Wandern regelrecht an. Wir entdecken gerne neue Orte und Tiere, die wir noch nie in der freien Wildbahn gesehen haben, wie beispielsweise neulich eine Gämse. Solche Augenblicke erfüllen mich zutiefst.“

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